THWS-Standort Ochsenfurt: TTZ stärkt Cybersicherheit in der Region Mainfranken
Mit der Unterzeichnung des Stiftervertrags für das Technologietransferzentrum für Cyber Security, kurz TTZ-WUE, wird die Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) zum Partner für Institutionen und Unternehmen in der Region Mainfranken bei allen Fragen rund um die IT-Sicherheit. Zur Unterzeichnung begrüßte THWS-Präsident Prof. Dr. Jean Meyer die beteiligten Stifterunternehmen und -institutionen sowie Thomas Eberth, Landrat des Landkreises Würzburg, in der Ochsenfurter Klingentorpassage.
„Die Bedrohung durch Cyber-Angriffe wächst rasant und betrifft im Grunde jedes Unternehmen. Mit dem Technologietransferzentrum wird eine schlagkräftige Einrichtung geschaffen, um derlei Gefahren abzuwehren und sichere Lösungen für die Zukunft zu entwickeln. Wie groß der Bedarf dafür ist, zeigt die hohe Anzahl der Partnerunternehmen“; betonte THWS-Präsident Prof. Dr. Jean Meyer.
In seinem Grußwort hob Landrat Thomas Eberth die Bedeutung des neuen Hochschulstandortes Ochsenfurt hervor: „Die Eröffnung des TTZ-WUE in Ochsenfurt ist ein Meilenstein für den Landkreis Würzburg und ein starkes Signal für den ländlichen Raum, denn es zeigt, dass Hochtechnologie nicht nur in Metropolen angesiedelt sein muss. In Ochsenfurt entsteht eine hochmoderne Forschungseinrichtung für Cybersicherheit, die den Landkreis als Innovationsstandort stärkt und neue Impulse für Wirtschaft und Wissenschaft setzt. Studierende, Wissenschaftler und Unternehmen arbeiten hier Hand in Hand, um praxisnahe Lösungen zu entwickeln, die Wirtschaft und Verwaltung direkt zugutekommen. Das Zentrum ist ein Beispiel für die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und kommunaler Verwaltung und der Landkreis Würzburg unterstützt diese enge Verzahnung von Forschung und Praxis. Dank der Förderung durch das Programm ,Hightech Transfer Bayern‘ kann das TTZ-WUE über fünf Jahre hinweg Spitzenforschung betreiben und innovative Technologien zur Cybersicherheit für Bürger, Unternehmen und öffentliche Einrichtungen entwickeln.“
Prof. Dr. Sebastian Biedermann, der Leiter des neuen Technologietransferzentrums, beschrieb die Aufgabe des neuen TTZ so: „Mit dem TTZ-WUE schaffen wir einen Ort, an dem praxisnahe Forschung auf aktuelle Herausforderungen der Cybersicherheit trifft. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit Unternehmen und Institutionen innovative Lösungen zu entwickeln, die digitale Systeme widerstandsfähiger machen und aktiv zum Schutz von Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft beitragen.“ In seiner anschließenden Präsentation erläuterte er die drei zentralen Forschungsschwerpunkte des TTZ: die Verbindung von künstlicher Intelligenz (KI) und IT-Sicherheit, Threat Intelligence und Security Management.
Verbindung von KI und IT-Sicherheit
KI eröffnet neue Möglichkeiten zur Absicherung digitaler Systeme, indem sie beispielsweise Angriffe schneller erkennen und automatisierte Gegenmaßnahmen einleiten kann. Andererseits birgt KI auch Risiken: Angreifer nutzen KI, um Social-Engineering-Techniken zu perfektionieren oder klassische Sicherheitsmechanismen zu umgehen. Gleichzeitig ist KI durch gezielte Manipulationen selbst angreifbar. Daher forsche das TTZ an robusten KI-Modellen, die widerstandsfähiger gegenüber solchen Manipulationsversuchen sind und damit eine höhere Sicherheit gewährleisten, so Prof. Dr. Biedermann.
Threat Intelligence
Unter Threat Intelligence versteht man die aktive und systematische Analyse von Cyberbedrohungen. Das TTZ-WUE setze darauf, Sicherheitslücken frühzeitig zu identifizieren und zu schließen, bevor sie von Angreifern ausgenutzt werden können. Darüber hinaus würden bereits erfolgte Angriffe genau untersucht, um die verwendeten Taktiken und Hintergründe besser zu verstehen. Ziel sei es, Sicherheitsstrategien vorausschauend zu verbessern und Unternehmen proaktiv vor neuen Bedrohungen zu schützen.
Security Management
Selbst die beste Technologie könne ihr Potenzial nicht entfalten, wenn Sicherheitsmaßnahmen nicht konsequent umgesetzt werden, betonte Prof. Dr. Biedermann. Daher spiele das Security Management eine essenzielle Rolle in der IT-Sicherheit. Eine durchdachte Organisation, die Einhaltung bewährter Standards sowie eine hohe Sensibilisierung der Mitarbeitenden seien entscheidende Faktoren für den Schutz vor Cyberbedrohungen. Das TTZ-WUE setze daher auf die Entwicklung effizienter Sicherheitsstrategien, praxisnaher Schulungskonzepte und automatisierter Kontrollmechanismen, um Unternehmen und Institutionen ganzheitlich in ihrer Sicherheitsarchitektur zu unterstützen.
Zurzeit unternimmt Prof. Dr. Biedermann eine Bestandsaufnahme gemeinsam mit den Stifterunternehmen und -institutionen, um deren Bedarfe herauszufinden und daraus Forschungsprojekte zu definieren. Entsprechend dieser Bedarfe sollen weitere TTZ-Mitarbeitende in den kommenden Monaten eingestellt werden.
Zum Hintergrund
Laut Bundeslagebild des Bundeskriminalamtes zu Cybercrime des Jahres 2023 sind Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen sowie IT-Dienstleister vermehrt Ziele von Cyberangriffen, während das verarbeitende Gewerbe sowie die öffentliche Verwaltung häufig mit sogenannter „Ransomware“ erpresst wird. Bitkom e. V. beziffert die durch Cybercrime verursachten Schäden für Deutschland auf knapp 206 Mrd. Euro.
Als Stifter am TTZ-WUE sind beteiligt:
Landkreis Würzburg
Stadt Ochsenfurt
IHK Würzburg-Schweinfurt
Handwerkskammer für Unterfranken
AKDB Anstalt des öffentlichen Rechts Hauptverwaltung
Bavaria Yacht GmbH
BDO Cyber Security GmbH
BDO Digital GmbH
Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes GmbH
Daimler Truck AG
Forkium Deutschland GmbH
Knauf Information Service GmbH
N-ERGIE Aktiengesellschaft Nürnberg
perma-tec GmbH & Co. KG
REEL GmbH NKM Noell Special Cranes
Schaeffler Technologies AG & CO. KG (Vitesco Technologies GmbH)
Secure Cloud Services AG
Sparkasse Würzburg Mainfranken
SSI Schäfer Automation GmbH
TakeASP AG
Kontakt:
Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt
Leiter Technologietransferzentrum für Cyber Security
Prof. Dr. Sebastian Biedermann
Tückelhäuser Str. 10
97199 Ochsenfurt
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